Montag, 13. August 2012

Wo sind all die ganzen Effes hin? - Und damit meine ich nicht das türkische Bier ...

„Ja, klar freue ich mich über meine drei Tore und die zwei Vorlagen, aber die Mannschaft hat Klasse gespielt. Und der Trainer war toll. Und ihr Journalisten habt uns mit euren Artikeln so super motiviert. Und in der Halbzeit habe ich mit meinem Gegenspieler schon einmal mein Trikot getauscht. Das habe ich dann schnell gewaschen und gebügelt.“ … Bla Bla! Die Interviews nach den Fussballspielen machen keinen Spaß mehr. Spieler wie Lahm & Co. spulen immer und immer wieder das gleiche Band ab. Schlechtes wird schön geredet. Gutes verliert sich in Bescheidenheit und „Teamgeist“. Ich erinnere mich an Bastian Schweinsteigers skurriles Interview nach dem DFB-Pokalfinale. Ich erinnere mich an die Pressekonferenzen bei der EM. Doch viel lieber erinnere ich mich an Lothar Matthäus nach dem KSC-Spiel. An Effenberg in seinem (zugegeben) viel zu großen Trainingspullover. Ich denke an Rudi Völlers legendären Waldi-Diss. Diese Worte, diese Bilder leben bis heute weiter. Tag für Tag mehren sich die Klicks dieser Videos auf Youtube. Warum? Weil sie unterhaltsam sind. Lustig. Doch vor allem eines: Ehrlich, voller Emotionen. Heute sieht es anders aus. Die Fragen der Journalisten sind immer die gleichen. Wenige provozieren. Und wenn, sind die modernen Fußballer durch ihre Berater geschult und bestens gewappnet. Mit entschärfenden, diplomatischen Antworten. Geschwafel. Keiner kommt zum Punkt, sagt wie es ist. Sie wären die perfekten Politiker.
Haben die Jungs keine Eier in der Hose? Sind es genau die Eier, die auch in entscheidenden Spielen bei großen Turnieren fehlen? Flache Hierarchien auf dem Platz. Keine Leitwölfe mehr. Dagegen spricht nichts. Doch muss man dadurch sein eigenen Kopf ausschalten, jegliche Emotion verlieren? Wenn ein Stefan Effenberg sich früher vor seinen Gegenspielern aufgebäumt hat. Wenn ein Oliver Kahn mit einem Urschrei durch den Strafraum jagte, dann war das Leidenschaft. Hingabe. Ein Wille, der Siege erzwang. Und nach dem Spiel musste erst einmal durchgeschnauft werden bzw. durchgezogen (Mario Basler), ehe man sich dem Interview stellte. Heute sehe ich Spieler, die nach verlorenem Spiel unmittelbar, nach zwanzig Sekunden relaxed in die Kamera schauen und darauf warten, etwas zu sagen, was sie gar nicht so meinen. Oder meinen Sie es so? Ich weiß es nicht. Auf dem Platz scheinen sie nicht alles zu geben. In Interviews rücken sie sich in rechte Licht. Welche Rolle spielen die Medien dabei? Kann sich ein Profi heute weniger leisten als früher? Verbal meine ich natürlich. Wird der Druck auf die Spieler bei ehrlichen Antworten zu groß? Mir fehlt ein Effe, der Journalisten zurechtweist. Und mir fehlen Journalisten, die mutig sind. Provokante Fragen sind eine Sache. Die andere Seite ist die, dass man Antworten, die nicht zur Frage passen, bestrafen sollte. So, wie es auch damals Stoiber im TV-Duell zum Verhängnis wurde.
Mein Vorschlag wäre sonst: Jeder Profi gibt vor Saisonstart eine DVD ab, auf denen die vorfertigten Interviewantworten (inkl. Bildmaterial) für die Medien zur Verfügung stehen. Oder halt einfach so: Zum Punkt kommen und Butter bei die Fische! Ist doch für alle Beteiligten das Beste. Der Spieler ist sein Frust los. Der Journalist hat seine Story und der Zuschauer einmal mehr seinen Unterhaltungsfaktor.

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