„Ja, klar freue ich mich über meine
drei Tore und die zwei Vorlagen, aber die Mannschaft hat Klasse
gespielt. Und der Trainer war toll. Und ihr Journalisten habt uns mit
euren Artikeln so super motiviert. Und in der Halbzeit habe ich mit
meinem Gegenspieler schon einmal mein Trikot getauscht. Das habe ich
dann schnell gewaschen und gebügelt.“ … Bla Bla! Die Interviews
nach den Fussballspielen machen keinen Spaß mehr. Spieler wie Lahm &
Co. spulen immer und immer wieder das gleiche Band ab. Schlechtes
wird schön geredet. Gutes verliert sich in Bescheidenheit und
„Teamgeist“. Ich erinnere mich an Bastian Schweinsteigers
skurriles Interview nach dem DFB-Pokalfinale. Ich erinnere mich an
die Pressekonferenzen bei der EM. Doch viel lieber erinnere ich mich
an Lothar Matthäus nach dem KSC-Spiel. An Effenberg in seinem
(zugegeben) viel zu großen Trainingspullover. Ich denke an Rudi
Völlers legendären Waldi-Diss. Diese Worte, diese Bilder leben bis
heute weiter. Tag für Tag mehren sich die Klicks dieser Videos auf
Youtube. Warum? Weil sie unterhaltsam sind. Lustig. Doch vor allem
eines: Ehrlich, voller Emotionen. Heute sieht es anders aus. Die Fragen der
Journalisten sind immer die gleichen. Wenige provozieren. Und wenn,
sind die modernen Fußballer durch ihre Berater geschult und bestens gewappnet.
Mit entschärfenden, diplomatischen Antworten. Geschwafel. Keiner
kommt zum Punkt, sagt wie es ist. Sie wären die perfekten Politiker.
Haben die Jungs keine Eier in der Hose?
Sind es genau die Eier, die auch in entscheidenden Spielen bei großen
Turnieren fehlen? Flache Hierarchien auf dem Platz. Keine Leitwölfe
mehr. Dagegen spricht nichts. Doch muss man dadurch sein eigenen Kopf
ausschalten, jegliche Emotion verlieren? Wenn ein Stefan Effenberg
sich früher vor seinen Gegenspielern aufgebäumt hat. Wenn ein
Oliver Kahn mit einem Urschrei durch den Strafraum jagte, dann war
das Leidenschaft. Hingabe. Ein Wille, der Siege erzwang. Und nach dem
Spiel musste erst einmal durchgeschnauft werden bzw. durchgezogen
(Mario Basler), ehe man sich dem Interview stellte. Heute sehe ich
Spieler, die nach verlorenem Spiel unmittelbar, nach zwanzig Sekunden
relaxed in die Kamera schauen und darauf warten, etwas zu sagen, was
sie gar nicht so meinen. Oder meinen Sie es so? Ich weiß es nicht.
Auf dem Platz scheinen sie nicht alles zu geben. In Interviews rücken
sie sich in rechte Licht. Welche Rolle spielen die Medien dabei? Kann
sich ein Profi heute weniger leisten als früher? Verbal meine ich
natürlich. Wird der Druck auf die Spieler bei ehrlichen Antworten zu
groß? Mir fehlt ein Effe, der Journalisten zurechtweist. Und mir
fehlen Journalisten, die mutig sind. Provokante Fragen sind eine
Sache. Die andere Seite ist die, dass man Antworten, die nicht zur
Frage passen, bestrafen sollte. So, wie es auch damals Stoiber im
TV-Duell zum Verhängnis wurde.
Mein Vorschlag wäre sonst: Jeder Profi
gibt vor Saisonstart eine DVD ab, auf denen die vorfertigten
Interviewantworten (inkl. Bildmaterial) für die Medien zur Verfügung
stehen. Oder halt einfach so: Zum Punkt kommen und Butter bei die
Fische! Ist doch für alle Beteiligten das Beste. Der Spieler ist
sein Frust los. Der Journalist hat seine Story und der Zuschauer
einmal mehr seinen Unterhaltungsfaktor.
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