Sonntag, 14. Oktober 2012

Zwischen Jupiter, Himmel und Erde

Mein ganz persönlicher Wochenrückblick:

Anlässlich der Frankfurter Buchmesse heute als Kurzgeschichte.
Für mich als außerirdischer Riese vom Jupiter hieß es diese Woche: Urlaub auf der warmen Erde. Landen sollte ich in New Mexico. Doch wurde der Flug aufgrund eines wohl anstehenden Weltrekordversuchs eines Felix Baumgartner umgeleitet. Aus 36km Höhe wollte er im freien Fall als erster die Schallmauer durchbrechen. In diesem Moment kam ein schlanker Steward in gelbem Trikot und bot mir einen Zaubertrank an. Ich lehnte dankend ab und so landete meine Maschine nach einigen Stunden in Athen. Von oben schön anzusehen. Was mich wunderte, war der große Menschenauflauf. Und die hatten seltsame Kostüme an und Fahnen in der Hand. Mit Hakenkreuzen drauf. Ich habe diese Bilder bislang nur in schwarz-weiß gesehen und wunderte mich über diesen Führer, der nun weiblich war, ohne Bart, kein rollendes „R“, sondern mit ostdeutschem Dialekt. Naja, vielleicht feierten die Griechen sie so, weil sie blond war. Auf jeden Fall verrückt, wenn man mit Gasmaske und brennenden Fahnen durch die Stadt geht. Auf vielen Flugplänen stand „ESM startet“.
Vom Flughafen aus fuhr ich mit dem Bus Richtung Deutschland. Im Fernsehen sah ich den Auftritt von einer gewissen Lady Gaga. Während ihrer Show kotzte sie auf die Bühne. Ermüdet von den ersten Eindrücken, schlief ich ein. Kurz hinter den Alpen wachte ich wieder auf: schon wieder seltsame Protestierende. Hier hielten Menschen in weißen Kitteln Banner hoch, auf denen sie mehr Geld forderten. Und in Deutschland scheint die Angst herumzugehen. In einigen Schlagzeilen hieß es: Der Türck ist zurück. Dabei sah ich überwiegend Schwarze. Sie versammelten sich um einen Bach herum und verbuddelten etwas in der Erde. Das gleiche Bild in Walhaller und im Sportstudio in Mainz. Am Abend ging ich in die Kneipe und schaute mir ein Fußballspiel an. Irland gegen Deutschland. Am Ende des Spiels fragte ich den Barkeeper, warum die Grünen nicht mitgespielt haben. „Weil die Reuse zu Kroos war!“, erwiderte er. Leicht angetrunken verschwand ich in meinem Hotelzimmer.
Am nächsten Morgen machte ich eine Stadtrundfahrt in Berlin. Vor dem Reichstag brannte ein mit Messer in der Brust steckender Mann lichterloh. Er starb. Ja ich war tatsächlich schon wach und auch nicht in einem Tagtraum verschwunden. An einem Kiosk holte ich mir eine Tageszeitung: Vettel WM-Spitzenreiter. Wirtschaftswachstumseinbußen dank Schuldenkrise. 25 Jahre Rätsel um Uwe Barschel. Rocky Hartz4. Vize-TV-Duell.

Es reicht mir. Ich reise ab. Mein Flieger geht über Oslo. Nobler Preis für die Tickets. Auch für die Quantenphysik und Europa.
Zurück auf dem Jupiter halte ich ein Schild mit den Worten „Eine schöne Woche wünsche ich Euch!“ hoch und zeige es der Erde. Bei -125 Grad frieren sich meine Eindrücke dieser Woche ein.

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